Kennt ihr den verstohlen wandernden Blick, links, rechts, bloß nichts übersehn? Eine kleine Sucht… Wie sehen Stencils aus, da, wo ich nicht zu Hause bin?
St. Petersburg (2011):

Vielen Dank an M. für diese Fotos aus St. Petersburg! Zur Übersetzung siehe Kommentar unten. (Danke G.!)
Tallinn (2009):
Weimar (2010):
Einen kurzen Besuch in Weimar habe ich nebenbei genutzt, um Stencils und Street-Art zu fotografieren. Davon gibts eine ganze Menge und offenbar sind mehrere kreative und aktive Köpfe hier des Nächtens tätig. Goethe und Schiller kriegen natürlich einiges ab, was nicht verwundert in einer Stadt, in der man sich vor diesen Namen und Gesichtern fast nicht retten kann. Außerdem ist die Antifa mit zum Teil bekannten Motiven präsent und rechten Botschaften (ein Fund) zahlenmäßig überlegen. Neben Stencil-Graffiti habe ich dieses Mal auch einige Zeichnungen fotografiert. Weitere Bilder gibt es hier.
Leipzig:
Ich war auch in Leipzig unterwegs, habe aber anscheinend nicht die richtigen Ecken besucht. Allerdings beschäftigt sich die “Leipziger Forschungsgruppe Soziales” mit dem Thema und führt eine langfristig angelegte Studie durch. Bei Interesse hier reinschauen! Und auch das hier könnte interessant sein.
Wroclaw, Polen (2007):
Hier ein paar Motive aus Wroclaw (Breslau). Offenbar ist ein Künstler unter dem Namen “MIHAU” sehr aktiv. Gegen Polizei, McDonalds und Krieg und für die Legalisierung von Marihuana – das kann man schon fast erwarten. Um herauszufinden, was sich thematisch sonst noch tut werde ich meinen Polnisch-Experten zu Rate ziehen. Weitere Bilder hier.
Lissabon (2010):
Die Stadt is vollgemalt!!! Jedenfalls kann man das von der Altstadt sagen, wo sich in schmalen Gassen bergauf und bergab allerhand an den Wänden tummelt. Neben unzähligen Tags findet man eine -für mich überraschend große – Bandbreite an Stencil-Motiven. Hinter jeder Ecke gibt es was zu entdecken.
Unerwartet war ein Stencil in deutscher Sprache (unten links) und außerdem ein Motiv (unten, 2. v.l.), das sich auch in Berlin an der S-Bahn-Station Baumschulenweg findet (Foto). Ich wüßte gern, wie das zu stande kommt…
Im Hinblick auf politische Inhalte sind unter anderem die Themen Krieg, Überwachung, Wohnraum und Kapitalismus auszumachen. Besonders im Bezug auf Kapitalismus findet sich eine regelrechte Kampagne mit ähnlichen Motiven, die wahrscheinlich aus einer Feder/Dose stammen. Motive dieser Art finden sich nicht nur in Lissabon, sondern auch in Orten der Umgebung. (z.B. in Cascais woher auch das Bild mit der Anglerin – oben links – stammt)
Politische Parolen und Forderungen werden auch gerne in freiem Armschwung an Wände gesprüht. Dabei ist keine besondere Zurückhaltung gegenüber alter Bausubstanz zu beobachten und auch Kirchen kriegen ebenso Farbe wie auch Anklagen ab. Aufrufe zu Demonstrationen werden zum Teil auch massenhaft über Stencils verbreitet.
Interessant fand ich auch die beiden Fotos unten rechts in der ersten Zusammenstellung. Die Texte waren beide in einen Torbogen geschrieben, einer links und einer auf der rechten Seite. Meine freie Übersetzung lautet: „Nicht alle, die in den Krieg ziehen, sind Soldaten.“ – „Nicht alle die bleiben, sind Feiglinge.“ (Zur Übersetzung der Texte insgesamt nehme ich gerne Hinweise an!) Die handschriftliche Botschaft ist wahrscheinlich eine Reaktion auf den Stencil-Text. Liegt hier eine Art zeitlich verzögerter Dialog vor, bei dem die Schreiber sich nicht kennen?
Weiterhin gibt es in Lissabon auch alle bekannten Formen von Street-Art zu sehen. Einige Beispiele dafür zusammen mit weiteren Stencil-Fotos hier.
Cádiz und Granada (2006):
Diese und andere Bilder hier.





Zu den Stencils aus St. Petersburg:
In der Mitte links ein Aufruf der Autonomen, am 1. Mai auf die Straße zu gehen. Unter Reihe Mitte wirbt für eine Kaffe-Bar, offensichtlich ein Szenelokal. Der Rest ist zu undeutlich bzw klein, als das ich es lesen könnet