zur Graffiti-Geschichte

Arbeiten, die sich dem Thema widmen kommen nicht an einer historischen Einordnung des Phänomens vorbei. Leider wird gerade in diesem Bereich immer wieder und fortgesetzt voneinander abgeschrieben, ohne wissenschaftliche Quellen zu prüfen oder überhaupt anzugeben. Meiner Ansicht nach hat sich hier inzwischen eine Art Hörensagen entwickelt, wobei sich einige Ansichten verfestigen, die besser kritisch betrachtet werden sollten.

(Quelle)

Hier einige Punkte und  Thesen, die in Abständen ergänzt werden:

1. Höhlenmalereien sind kein Graffiti!

Ja, unsere urzeitlichen Vorfahren haben an die Wand gemalt. Wo hätten sie es denn sonst tun sollen? Dem Malen an Wänden messen wir heute eine spezielle Bedeutung zu, wenn es als Graffiti im GEGENSATZ zu konventionellen, akzeptierten, autorisierten (etc.) Methoden der Zeichenproduktion steht. Man kann mit ziemlicher Sicherheit annehmen, daß Höhlenmalerei im steinzeitlichen Europa ein Grundbestandteil sozialer Zeichenproduktion war – also akzeptiert und von Autoritäten ausgeführt.

Wenn man unter Graffiti pauschal das Malen oder Schreiben auf Wänden verstehen will, kann man natürlich Höhlenmalerei als Ursprung betrachten. Aber welchen Nutzen hat das für das Verständnis von Graffiti und Street-Art im urbanen öffentlichen Raum?

Schauen wir lieber in die Antike nach Ephesos, Pompeii oder Aphrodisias.

2. Der Einsatz der Sprühdose markiert den Beginn des modernen Graffiti

Das grundlegende Prinzip dafür wurde schon 1927 von dem norwegischen Ingenieur Erik Andreas Rotheim patentiert. Allerdings machte Edward Seymour die Erfindung erst 1949 nutzbar, um damit Farbe zu versprühen. (Quelle) Die Farb-Sprüdose erweitert den Bereich des Machbaren so erheblich, daß sie in meinen Augen der Schlüssel für die modernen Formen von Graffiti ist. Pieces, Bombings, Wholecars – schnell, groß und sauber – schwer vorstellbar ohne Dose. Vielleicht kann demnächst mal geklärt werden, wie dieser Siegeszug von statten ging. Der Hinweis darauf sollte meiner Meinung nach in keiner Graffiti-Geschichte fehlen.

3. Taki 183 war nicht der erste Writer

Für viele ist das keine Neuigkeit mehr. Taki selbst gibt an, die Idee übernommen zu haben: “I took the form from JULIO 204, but he was doing it for a couple of years then and he was busted and stopped.” (Quelle) Läßt sich mehr herausfinden über JULIO 204, THOR 191, FIRENDLY FREDDY und Co.? (vgl. z.B. Gabbert S.11) Wir werden sehen.

Taki 183 wurde mit seinem Tun durch den Artikel der New York Times bekannt und damit zur Ikone des Writing. Anderen wurde weniger Popularität zu Teil – so ist das Leben. Wer nicht nur abschreiben will, könnte versuchen mehr herauszufinden.

4. Graffiti und Schablonen-Graffiti der “Weissen Rose”

Die antifaschistische Widerstandsgruppe “Weisse Rose” hat 1943 Schablonen benutzt, um ihre Botschaften im öffentlichen Raum anzubringen. Im Hinblick auf politisches Graffiti und Stencil-Graffiti ist diese Aktion “der Weissen Rose” durchaus bedeutsam. Leider ist die Quellenlage dazu nicht besonders umfangreich oder tiefgründig. Mehr dazu hier.

Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s