Graffiti in Palästina – Einblicke

(Vorbemerkung: Der Folgende Text ist eine kurze Zusammenschau zweier Quellen (The Rise of Palestinian Graffiti – Salma Tuqan und Writings on the wall - Ghazi Hamad) Der Konflikt zwischen Israel und Palästina hat für dieses Thema zentrale Bedeutung, allerdings soll der Text nicht als Meinung oder Kommentar verstanden werden, sondern nur Einblicke in die politische Verwendung von Graffiti in Palästina geben.)

Quelle:
Artikel: No peace without Hamas - Mahmoud al-Zahar, The Electronic Intifada, 17 April 2008 – Bild: (Wissam Nassar/MaanImages)

“If [...] art is a response to repressed unconscious elements, [...]  then the Palestinian graffiti is a response to psychic crises. It is the effect on a people restricted by censorship, denied free speech, creating for themselves a separate outlet from the now monopolized official media.” (Quelle: The Rise of Palestinian Graffiti – Salma Tuqan)

Am bekanntesten sind wahrscheinlich die Aktionen des Britischen Künstlers Banksy auf den Mauern der israelischen Sperranlagen im Westjordanland. Die Anfänge des politischen Graffiti in Palästina werden allerdings schon im Jahr 1981 verortet und im Zusammenhang mit dem Beginn der PLO-Aktivitäten gesehen. Ein noch früheres Beispiel, dessen Inhalt zum allgemeinen Kulturgut geworden ist, wird auf 1936 datiert:

„The most famous incident of ‘revolutionary graffiti’ came from Acre Prison, presumed to be by the Palestinian Awad Nabulsi of Nablus, before his execution by the British Mandatory government in 1936.  The black coal scrawls of the poem he addressed to his family and homeland, have evolved into the revolutionary song ‘From Acre Prison’, now handed down from generation to generation.” (Quelle: The Rise of Palestinian Graffiti – Salma Tuqan)

Der Textes wird wie folgt übersetzt:

“To my brother Yusuf:
Look after our mother.
To my sister: Do not grieve.
For the homeland I sacrifice my blood,
And this for your eyes,
O Palestine.”

(Quelle: Writings on the wall - Ghazi Hamad)

Als essentieller Bestandteil des Widerstands gegen israelische Repression gilt politisches Graffiti seit 1987 im Zusammenhang mit der ersten Intifada. Als Reaktion auf Unterdrückung und mediale Zensur entstanden viele Formen und Varianten politischer Äußerung:

“It served the Palestinian community as a method for passing on messages, for warning people of collaborators, and for issuing directives for acts of rebellion, such as strikes, boycotts and demonstrations.  It recorded significant events, registered political power and commemorated martyrs.  Most importantly, it worked towards galvanizing the fight for liberation.  For some, graffiti became a rite of passage into the resistance movement, an opportunity for statements of dedication and commitment; it was also the sign by which a youth prepared to gamble his life in the name of Palestine.” (Quelle: The Rise of Palestinian Graffiti – Salma Tuqan)

Öffentlicher Raum wird zur Herstellung von Öffentlichkeit genutzt, Zensur kann hier nicht effektiv durchgeführt werden. Die Graffiti-Botschaften sind an verschiedene Öffentlichkeiten gerichtet:

-Die internationale Öffentlichkeit soll aufmerksam gemacht werden. Zum Teil werden Botschaften dann in englischer Sprache formuliert.

-Auch die Öffentlichkeit der Besatzer wird anvisiert:

“Graffiti was also directed at the Israeli audience.  It challenged Israel’s claims to surveillance and laid bare its failure to control every area. The Israeli response was quite different.  Although many of the soldiers could not read the graffiti, its pictorial presence registered as a threat in their eyes.  Erasure became a fundamental ambition.  Young Palestinian boys were marched at gunpoint to blacken out the walls with paint.” (Quelle: The Rise of Palestinian Graffiti – Salma Tuqan)

-Die eigene (palästinensische) Öffentlichkeit erscheint als wichtigstes Ziel der Botschaften. Graffiti zeigen die Präsenz und Aktivität des Widerstandes und sollen ungebrochenen Kampfeswillen demonstrieren:

“Saraya Al Quds, the armed wing of the Islamic Jihad uses wall space to announce that it carried out a bombing in a Haifa restaurant, giant-size letters spelling out the name of the bomber: Hanadi Jaradat. […] The Popular Front for the Liberation of Palestine (PFLP) proclaims that the “resistance will continue and will not stop. It is the only option for the Palestinian people.” […] But most common of all is the grafitti glorifying the dead. […] Near the Shifa Hospital in Gaza City is a large portrait of Jihad Amareen, the head of the Aqsa Martyrs Brigades in Gaza who was assassinated by the Israeli army a year and a half ago.” (Quelle: Writings on the wall – Ghazi Hamad)

Das Anbringen von Graffiti war offenbar eine, für den politischen Widerstand wichtige Tätigkeit, die zum Teil lebensgefährlich werden konnte. Trotzdem spielen ästhetische Aspekte auch eine Rolle. bei der allerdings nicht nur dem Inhalt, sondern auch der Ästhetik eine Bedeutung zukam:

“During the Intifada, the job of graffiti became so fundamental that many political factions chose the best calligraphers to implement their messages. Young boys, once recruited, worked with them as apprentices from the ages of 13 until 15, carrying out graffiti slogans, as well as handing out leaflets, until they were asked to join the party at 16.” (Quelle: The Rise of Palestinian Graffiti – Salma Tuqan)

(Vermutung: Möglicherweise wurden und werden politische Graffiti häufig von Kindern und Jugendlichen produziert, weil diese weniger streng bestraft werden.)

Heute erscheint Graffiti für die palästinensische Öffentlichkeit immer noch als intensiv genutztes Medium und als ein wichtiger Bestandteil von Kultur und Öffentlichkeit, die Bedeutung für den politischen Widerstand ist offenbar zusammen mit dem Verfolgungsdruck geringer geworden.

Haytham, 17, and still in high school, introduces himself as a member of Hamas. “I have been writing graffiti for the past two years,” he says, clearly proud of his work. “[Hamas] discovered that my handwriting was nice, so they asked to me to write on the walls.”

His profession holds no fear for Haytham. “During the first Intifada, young men used to mask their faces so not to be recognized by Israeli soldiers,” he says. “After that, they covered their faces for fear of the Palestinian security forces. But now everyone writes without fear of anything.” (Quelle: Writings on the wall – Ghazi Hamad)

Bilder zum Beispiel unter:

http://www.khtt.net/page/13391/en

oder

http://commons.wikimedia.org/w/index.php?title=Special%3ASearch&search=graffiti+west+bank

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Eine Antwort zu Graffiti in Palästina – Einblicke

  1. [[Ich habe mich entschlossen, diesen Kommentar nicht zu löschen, sondern als Beispiel politischer Gegenöffentlichkeit zu behandeln. Dies dient dem Zweck der Dokumentation und sagt nichts über meine persönlichen politischen Ansichten und Einstellungen aus, die hier wie auch im gesamten Blog keine Rolle spielen.(Kilian)]]

    Aufruf zur Antikriegsdemonstration zum Qudstag
    am Samstag, den 4. September 2010

    Treffpunkt: 14.30 Uhr am Adenauerplatz
    Wegstrecke ab 15.00 Uhr: über Kudamm, Joachimstaler Strasse, Kantstrasse bis Savigny-Platz (Abschlusskundgebung)

    [[bis hierher reine Information - es folgt politische Werbung mit einer ordentlichen Beilage Propaganda]]

    Der Weltkrieg ist voll im Gange, was nun?

    den neuen Teil des dritten Weltkrieges gegen den Iran verhindern und die laufenden Teilkriege beenden!
    Terror und Gewalt stoppen, Vertrauen und Frieden verbreiten!
    Hass und Feindschaft bekämpfen, Vernunft sprechen lassen!
    Die kriegstreibenden Politiker/innen abwählen. Die Demokratie retten!
    Vor allem Millionen Menschenleben retten!

    Die Antikriegsdemonstration am Qudstag ist der Marsch für den Frieden. Die „Herren der Welt“ suchen anscheinend, nach alten Rezepten aus denm 20. Jahrhundert, den Ausweg aus der selbstverschuldeten Krise in dem Krieg. Die Vernunft sagt uns, dass die Wirtschaft dem Wohlstand und das Militär der Sicherheit für die Menschen dienen soll. Aber wenige tausend unter uns 6,5 Miliarden Menschen verfügen unberechtigter Weise über den größten Teil der materiellen Macht.
    Seien es Politiker, Staatsmänner u. Staatsfrauen oder die Mächtigen der Wirtschaft. Sie scheinen fest entschlossen, schrittweise einen dritten Weltkrieg mit Millionen von Toten und weiteren verheerenden Folgen zu führen.
    Ein Krieg, der schon 2001 begann und ettapenweise fortgeführt wird. Afghanistan, Irak, Libanon, Palästina, Pakistan, Jemen, Sudan und nun Iran.
    Was für ein Zufall, dass alle Teilkriege vom Westen, also von den „freiheitlich demokratischen“ Staaten und ihrem Vorposten in der islamischen Welt, nämlich von Israel, ausgehen. Wiederum rein zufällig wird Krieg gegen die islamischen Länder geführt! Sind wir schon bei der Inszinierung der „Clash of civilizations“?
    Oder befinden wir uns bereits mitten in den neuen, modernen Kreuzzügen? Dabei ist eins sicher: der erste Verlierer des dritten Weltkrieges ist die Demokratie, die dem blutigen Wahnsinn der Mächtigen geopfert wird.
    Wir dürfen unser eigenes Schicksal und das der gesamten Menschheit nicht den bösen Kriegstreibern überlassen!
    Aus diesem Grunde appelieren wir an alle Buergerinnen, sofern sie noch bei gesundem Menschenverstand sind und nicht von den Medien verzaubert wurden,
    an der diesjährigen Qudsdemonstrationen in Berlin teilzunehmen.

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