In fast allen Arbeiten, die sich mit Graffiti beschäftigen, wird auf antike und historische Formen von Graffiti verwiesen. Nur in Ausnahmefällen sind konkrete Motive dargestellt oder Quellen aufgezeigt oder belegt. Hier werden Links zu Texten und Bildern gesammelt, welche konkrete Anhaltspunkte bieten. Dabei ist zu beachten, daß bei der Suche nach den Ursprüngen nicht immer zwischen legalen und illegalen Graffiti unterschieden wird oder werden kann. Urzeitliche Höhlenzeichnungen und Ritzungen werden nicht integriert, da Graffiti hier als spezielle (alternative und nicht ausschließliche) Form der Zeichenproduktion verstanden wird, die sich von etablierten Formen abhebt.
verschiedene Ancient Graffiti bei WikiMedia Commons
Antike Graffiti: geritzt, nicht gesprüht – Artikel mit ao. Univ. Prof. Dr. Hans Taeuber, Graffiti-Spezialist bei den Ausgrabungen in Ephesos
“Graffiti zu hinterlassen, war in der Antike üblich. Man hatte also nicht zu befürchten, dass der Gastgeber sauer war, wenn er auf seiner Wand ein Graffito fand. “Ein interessantes Graffito fanden wir in einer Latrine”, so Prof. Taeuber. “In ihm wird einem gewissen Salutaris sexuelle Betätigung mit beiden Geschlechtern angeraten. Dieser Salutaris ist uns gut bekannt aus einer Stiftungsinschrift. Er stiftete 20.000 Denare, unter anderem für die Herstellung von Gold- und Silberstatuen des Kaisers Trajan. [...]“
Pilger, Missionare und Hierarchien im St. Antonius Kloster – Otto F.A. Meinardus
“Schon 1623 erreichten die ersten beiden Franziskaner-Observanten Ägypten. Einer der Fratres dieser Erkundungsmission war jener Kapuziner Bernardus aus Ferula in Sizilien, der im Januar 1626 das St. Antonius-Kloster aufsuchte. Seine Graffiti waren bis vor einigen Jahren noch an den Altarschranken gut lesbar. Da aufgrund der Renovierungen der Kirchen diese Zeitzeugnisse in Gefahr sind, sollen wenigstens einige dieser Inschriften hier abgebildet werden.
„Frater Bernardus a Ferula Siculus de Observantia [...] sub die [...] X Ianuari 1626 [...]“ (Bruder Bernardus, der Observantia aus Ferula in Sizilien, [hat] an diesem Tag, dem 10. Januar 1626 [die Messe gelesen]. [...]“
Die Magie des (Wallfahrts-)Ortes und der Zwang zur Verewigung: Religiöse und profane Mobilität im Spiegel vormoderner (Pilger-)Graffiti – Detlev Kraack
“In der Summe ergibt sich der Eindruck, daß Zeichen wie die an dem häufig durchschrittenen Aufgang zur Basilika in Assisi erhaltenen und die für die Grotte der Sibylle indirekt bezeugten nicht, oder zumindest nicht in erster Linie im Sinne von Votiv-Graffiti, das heißt als Dank für empfangene Hilfe oder gleichsam zur Bekräftigung eines Gelübdes gegenüber Gott oder einem Heiligen , hinterlassen wurden, sondern daß sie sich mit ihrer Aussage ganz konkret an nachfolgende Reisende oder – in Form der von LaSale wiedergegebenen Faksimilia von diesen Zeugnissen – an die Leser der von diesen Reisen kündenden schriftlichen Aufzeichnungen richteten. Im Zentrum von Aussagen wie diesen stand ein durch Namen, Wappen oder Devise individualisierbares, implizites ‘Ich-war-hier [...]“
Alltagsskizzen aus Aphrodisias – Prof. Dr. Angelos Chaniotis
“Die Graffiti von Aphrodisias sind von jedweder Art: Es finden sich Skizzen von Gegenständen und Bauten, vereinzelte Buchstaben, anzügliche Texte, Namen, Liebeserklärungen und Gebete, politische Parolen und religiöse Symbole. Der Quellenwert solcher Graffiti kann nicht genug betont werden. Sie zeigen uns unmittelbar die Sorgen und Gefühle der einfachsten Menschen, die literarische Quellen manchmal verschweigen.[...] Größere historische Aussagekraft haben Graffiti, die sich in vier Gruppen ordnen lassen: Graffiti aus Stadion und Theater, die mit Schaustellungen zusammenhängen; Graffiti vom Marktplatz, die uns in die soziale Schichtung der Stadt und das Berufsleben einblicken lassen; Graffiti, die von Bauarbeitern stammen, und Graffiti, die mit religiösen Konflikten zusammenhängen. [...]“
Pompeii (Italy) – Ancient Graffiti
“A collection of ancient Roman graffiti immortalised in ash at Pompeii, which shows that people are the same, no matter where, or when, they live.”
“(in the basilica): O walls, you have held up so much tedious graffiti that I am amazed that you have not already collapsed in ruin.”
(House of Caecilius Iucundus); 4091: Whoever loves, let him flourish. Let him perish who knows not love. Let him perish twice over whoever forbids love.
Ancient Graffiti on the walls of Pompeii
“Cacator cave malum, aut si contempseris, habeas Iovem iratum.
Watch it, you that shits in this place! May you have Jove’s anger if you ignore this.”
Tunnelstadt unter der Hölle – Graffiti, Erster Weltkrieg, Frankreich, Arras
“Eine Woche vor Ostern begannen die Generäle, die unterirdische Stadt mit Männern zu füllen. Nach und nach verschwanden heimlich die Soldaten in den Kellern – bis unter den Häusern von Arras Tausende Soldaten zusammenkauerten. [...] Ein Soldat malte das Gesicht seiner Freundin auf die Wand neben einer Küchenhöhle – ihre zarten, leicht arroganten Züge, ihr dunkles, welliges Haar. Ein anderer ritzte ein verschnörkeltes Kreuz in eine der Säulen aus Kalkstein. Wieder andere versuchten, die Situation mit Humor erträglicher zu machen. “Gesucht: eine Haushälterin”, kritzelte ein Spaßvogel an die Wand der Höhle, die nach der Stadt Waitomo benannt war. Nicht alle waren poetisch veranlagt. “Shannahan 21445 NZET 8/12/16 – 8/4/17″ schrieb Private Shannahan. [...]“
(Fotostrecke zum Artikel)
Graffiti am Reichstag – Berlin, Zweiter Weltkrieg
“With messages like “Death to Germans” and “Serves you right, you sons of dogs,” saving history has prompted yet another moral struggle over how Germany should live with its past and get on with its future.” (CNN)
“Bei den Renovierungsarbeiten am Berliner Reichstag waren kyrillische Schriftzeichen aufgetaucht. “Moskau”, die Jahreszahl “1957″ sowie Namensinitialen sind in die Wand eingeritzt.” (Spiegel)
“The inscriptions remained intact for fifty years in the closed and isolated Reichstag. It was only in the 90s that they were discovered by Karin Felix, a collaborator of the restorations. She prepared a first, complete catalog of the inscriptions and she has made inquiries about the persons and the stories behind the names. During the restoration of the Reichstag, some of the graffiti was conserved as an item of historical interest.” (Neatorama)
Bild – WikiMedia Commons
Bild - Google Images
Inschriften auf dem Reichstag
Karin Felix: Гитлер в жопе! (Hitler am Arsch) Так вам и надо, суки!
Ich denke mal an dieser Stelle lassen wir die Übersetzung unter den Tisch fallen… Harte Worte und bestimmt von Herzen, die die Soldaten hinterließen.
May 1968 Graffiti – Slogans
“First, disobey; then write on the walls.
(Law of 10 May 1968)”
Slogans and graffiti – May 1968 in France
“L’ennui est contre-révolutionnaire. (Boredom is counter-revolutionary.)”
“L’été sera chaud! (Summer will be hot!)”